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Predigt vom 6. November 2016

Predigt zu Rö 14, 7-9 (vom 6. November 2016)

Liebe Gemeinde!

Eigentlich ist es unglaublich, was Paulus da tut, denn bei ihm sind Leben und Sterben direkt nebeneinander:

Keiner von uns lebt sich selbst und keiner stirbt sich selbst. Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder sterben, wir gehören zu Jesus Christus.

Passt das denn wirklich zusammen? Für uns nicht, wir wollen das nicht hören, aber wenn wir ehrlich sind, dann ist das so: das Sterben beginnt mit der Geburt, denn ab da sterben Zellen in unserem Körper und neue entstehen, bis irgendwann das Zellensterben die Oberhand gewinnt.

Doch wie kommt Paulus auf diese Worte? Da sind wir wieder an der Stelle, die wir schon mehrfach in der Predigtreihe der letzten Wochen hatten: der Streit in der Gemeinde was man darf und was nicht: darf man Fleisch essen, das Götzen geopfert wurde?

Die Antwort von Paulus haben wir auch schon gehört: man darf, denn es gibt nur einen Gott, aber wenn jemand damit Probleme hat, dann soll man es aus Rücksicht auf diesen doch nicht tun.

Damit eigentlich alles klar, aber eben nicht. Wir wissen, aus Kleinigkeiten werden oft Riesenprobleme und die dann zu lösen, ist schwer. Deshalb schreibt Paulus jetzt diese Sätze: Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder sterben, wir gehören zu Jesus Christus.

Unser Leben ist durch Jesus Christus bestimmt. Auf ihn vertrauen und hoffen wir. Zu ihm gehören wir. Er hält unser Leben hier und das neue Leben in der Hand. Er kennt uns und weiß, was uns bewegt.

Das steht für Paulus fest und so lebt er. In diesem Glauben müssten alle Streitigkeiten beendet sein, denn es ist nicht mehr wichtig, sondern es ist nur noch wichtig, sein Leben sinnvoll zu leben, ohne Streit, im miteinander und füreinander, und voll Dankbarkeit. Ist es nicht eine Gnade, dass man es so gut hat, sich entscheiden zu können: Opferfleisch oder nicht? Für uns sieht diese Entscheidung viel bunter aus, weil wir es noch viel besser haben als die Menschen zu den Zeiten von Pauls, also: wie toll können wir leben!

Warum tun wir es nicht? Vielleicht sollten wir mehr erkennen und verstehen, wie reich unser Leben ist? Vielleicht sollte uns aber auch dieses Leben mit seinen Freuden und auch Sorgen uns nicht zu sehr gefangen nehmen, dass wir in der Lage sind, unseren Blick zu öffnen können für das, was Christus uns verheißen hat, für das, was uns erwartet.

Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder sterben, wir gehören zu unsrem Herrn Jesus Christus.

Mit diesen Worten verbindet Paulusn ganz einfach was war und was wird. Aber eben auch das, was wir loslassen müssen, nicht festhalten, nicht greifen und nicht begreifen können. Oder noch deutlicher: das, was wir nicht fassen können!

Aber genau das ist doch tröstlich, zu wissen, da ist einer, der größer ist als unser Begreifen. Denn das sagt uns doch, befreiend und entlastend: Wir müssen nicht alles begreifen, nicht alles erklären und hinterfragen können, schon gar nicht selbst verstehen. Sondern wir können es Gott anvertrauen, ihm übertragen. So wie Paulus es getan hat. Dankbarannehmen, was einem täglich zuteil wird. Und darüber hinaus vertrauen auf das, was Christus uns verheißen hat, woran wir glauben, worauf wir vertrauen.

Paulus hat es getan und daraus frei gelebt. Machen wir es ihm nach: an der Hand Gottes und in der Hand Gottes hier und jetzt und ewiglich

Amen

Lebendiger Adventskalender

Am Sonnabend vor dem 2. Advent laden wir im Rahmen des „Lebendigen Advent“ in unsere Kirche ein. Der Posaunenchor aus Geitelde wird uns etwas spielen und mit uns singen. Wir werden es uns bei einem Glühwein gut gehen lassen. Das größte Lob für den Posaunenchor ist natürlich eine volle Kirche. Und dazu brauchen wir Sie!

Es kostet keinen Eintritt, aber eine Spende für die Arbeit des Chores wird erbetenB.

2. Advent in der Kirche Beginn: 18:30 Uhr

Die Liste aller Termine des „Lebendigen Adventskalenders“ finden sie im Gemeindebrief Schritte Nr. 4/2016.

Adventskaffee

Auch in diesem Jahr wollen wir den 4. Adventssonntag im Hans-Ehrhardt-Haus fröhlich gemeinsam begehen.

Wir treffen uns um 14.30 Uhr dort und feiern an der Kaffeetafel einen Adventsnachmittag mit den schönen Liedern, guten Gesprächen, besinnlichen Texten und Dingen, die auch dem Leibe gut tun.

Predigt unseres Pastor Andreas Werther zum Reformationstag 2016

Reformationstagspredigt zu Römerbrief  3, 21-24

Jetzt geht es los, das Jahr des Reformationsjubiläums. Vor 499 Jahren hat Martin Luther seine 95 Thesen in Wittenberg veröffentlicht. Aus seiner Kritik am Ablass entwickelte er eine völlig neue Theologie mit der Kernaussage aus dem Predigttext des heutigen Tages, dass der Mensch nicht durch Werke, sondern allein durch den Glauben gerechtfertigt ist. Doch lesen wir den ganzen Text:

21 Aber jetzt ist Gottes Gerechtigkeit offenbar geworden, und zwar unabhängig vom Gesetz.
Das bezeugen das Gesetz und die Propheten.
22 Es ist der Glaube an Jesus Christus, der uns die Gerechtigkeit Gottes zugänglich macht. Der Weg zu ihr steht allen Glaubenden offen. Denn in dieser Hinsicht gibt es keinen Unterschied:
23 Alle sind schuldig geworden, und alle haben die Herrlichkeit Gottes verloren.
24 Sie verdanken es also allein seiner Gnade, dass sie von Gott als gerecht angenommen werden. Er schenkt es ihnen aufgrund der Erlösung, die sie durch ihre Zugehörigkeit zu Christus Jesus erfahren haben.
25 Durch dessen Blut, das am Kreuz vergossen wurde, hat Gott ihn als Zeichen der endgültigen Versöhnung eingesetzt. Und durch den Glauben erhalten wir Anteil daran. So hat Gott seine Gerechtigkeit unter Beweis gestellt.
Lange hat er die Verfehlungen ungestraft gelassen, die früher begangen wurden.
26 Gott hat sie in Geduld ertragen. Doch jetzt, zu diesem besonderen Zeitpunkt, will er beweisen, dass er wirklich gerecht ist. Ja, er ist gerecht. Und er nimmt diejenigen als gerecht an, die aus dem Glauben an Jesus leben.
27 Gibt es da noch irgendeinen Grund, auf etwas stolz zu sein? Ausgeschlossen! Durch welches Gesetz? Etwa durch das der eigenen Taten? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens!
28 Denn wir sind der Überzeugung, dass der Mensch allein aufgrund des Glaubens als gerecht gilt unabhängig davon, ob er das Gesetz befolgt.

Um diese Worte so zu verstehen, wie Luther und seine Zeitgenossen sie verstanden haben, sollten wir die Worte hören, wie sie Menschen im Gefängnis hören: Da ist Gesetz das, was sie unfrei macht, mit dem sie nicht klarkommen; Recht ist das, was sie hinter Gitter gebracht hat; Gnade kennen sie keine, Befreiung und Erlösung wäre aus dem Gefängnis herauszukommen.

Und Rechtfertigung? Die haben sie für sich selbst, sie sind der Meinung, dass es genug Gründe gab, etwas Ungesetzliches zu tun, vor sich selbst sind sie gerechtfertigt.

Genauso ging es damals auch Luther, abgesehen von der eigenen Rechtfertigung. Er wusste sich durch einen ungnädigen Gott bedroht und unfrei gemacht. Er wusste sich durch ein strenges Gesetz – selbst die 10 Gebote hält ja keiner von uns ein – gefangen und erniedrigt, weil er sah, dass er das Gesetz immer wieder brach.

An dieser Erkenntnis zerbrach er fast selbst, quälte sich selbst, um Gott davon abzubringen, ihn zu bestrafen.

Gott und die Kirche waren für ihn und die Menschen damals keine Hilfe, sondern Bedrohung. Machen wir uns nichts vor, das wurde auch ganz bewusst eingesetzt, um die Menschen gefügig und friedlich zu machen und Geld aus ihnen herauszuholen.

Und dann entdeckt er unseren Predigttext, den er sicher schon lange kannte, aber mit dem er sich intensiv beschäftigen musste, weil er darüber Vorlesung zu halten hatte. Und plötzlich liest er da: Allein durch den Glauben werden wir gerecht, weil Jesus Christus das Gesetz für uns erfüllt hat.

Was für eine Erkenntnis! Eine Befreiung, die ihm die Augen öffnete, dass Kirche da falsch handelt. Eine Erkenntnis, die ihm ein ganz neues Bild von Gott zeigte: nicht den bedrohlichen, den strafenden Gott, sondern den liebenden, den sich für uns Menschen selbst hingebenden Gott.

Das war schon eine Revolution im Glauben, die Luther da entdeckte und zur Reformation machte, also das Wort Gottes wieder in die richtige Form brachte.

Aber hat das alles noch mit uns zu tun? Natürlich, denn aus dieser Erkenntnis heraus leben wir noch heute. trotzdem finde ich es erstaunlich, wie hoch Reformationsjubiläum angehängt wird: ein ganzes Jubeljahr!

Wir müssen bei unserem Feiern aber zwei Dinge unbedingt beachten: Erstens bedeutet Glauben in diesem Zusammenhang nicht nur darauf vertrauen, dass Christus mich gerecht spricht, sondern es zu leben. Also wenn ich weiß, da ist einer, der mich annimmt, wie ich bin, dann sollte, nein, dann muss ich mich auch darum bemühen, ihm zu zeigen, dass ich es wert bin, indem ich meinen Glauben lebe, in Liebe lebe, vergebe, wie er es tut, anderen helfe, wie er es tat und an mir tut!

Es wird uns Lutheranern oft nachgesagt, wir bräuchten nichts zu tun, und den Katholiken sie lebten eine Werkgerechtigkeit. Beides ist falsch, denn richtig ist: Wer sich befreit weiß und angenommen, der handelt so, dass gute Werke dabei herauskommen. Luther hat es nur umgedreht: vorher versuchte er mit guten Werken Gott gnädig zu stimmen, jetzt weiß er, Gott ist gnädig, darum kann ich es auch sein und Gutes tun.

Und das zweite, was wir beachten müssen, ist, dass Reformation nichts war, was vor 500 Jahren geschah, sondern etwas, was weitergeht. Dieser Feiertag und dieses ganze Jubeljahr darf nicht ein stolzes Erinnern sein, sondern ein Nachdenken, was muss sich heute ändern? Und da gibt es genug, was zu ändern wäre! Eine Kirche, die bei Luther stehengeblieben ist, ist keine reformatorische Kirche mehr!

Ich hoffe und wünsche mir, dass dies Jahr, vor dem mir auch ein wenig graut, ein gutes wird. Eins, dass unserer Kirche und allen Kirchen aller Konfessionen hilft, sie zusammenbringt, sie näher zu Gott bringt, uns Gott näher bringt.

Warum graut mir vor diesem Jahr? Ganz einfach: Es ist jetzt schon so, dass Luther manchmal in einer Weise genutzt wird, die er nicht gewollt hätte. Kommt man in Wittenberg in die Schlosskirche, dann stehen da vorn neben dem Altar überlebensgroß Luther und Melanchthon. Aber den Kult um die Heiligen hatte Luther abgeschafft und nun wird er selbst wie ein Heiliger verehrt! mMge das nicht noch schlimmer werden, die kommenden 12 Monate!

Luther war auch nur ein Mensch und er hat ganz viele und schwere Fehler gemacht: sein Einstellung den Juden gegenüber oder auch zum Bauernkrieg sind zu hinterfragen und klar zu benennen. Und sie dürfen nicht abgetan werden mit der Bemerkung: Er war eben ein Kind seiner Zeit. Nein, wenn wir ihn heute noch verehren, dann ist er auch ein Kind unserer Zeit und auch kritisch zu betrachten.

Das Grundproblem aller Reformen und Reformatiosvsersuche heutzutage ist: Ich erwarte, dass sich die Umstände ändern, dass die anderen sich ändern. Wenn ich aber wirklich etwas ändern will, dann muss ich bei mir selber anfangen und darf nicht von den anderen erwarten, wozu ich selbst nicht bereit bin oder wozu mir der Mut fehlt.

So wünsche ich mir, unserer Kirche, uns allen, dass das nicht vergessen wird, dass wir nicht feiern und uns erinnern, sondern uns verändern. Denn das ist wirklich Reformation und das wird gebraucht Amen